Unser Beckenboden Zentrum


1. Wissenswertes über den Beckenboden

Welche Aufgaben hat der Beckenboden?

Der Beckenboden ist eine Gruppe von Muskeln und Bindegewebe, die die Organe des kleinen Beckens begrenzt und die Bauchhöhle des Menschen nach unten abschließt. Er sichert ähnlich einer Hängematte die Lage der Bauch- und Beckenorgane und unterstützt die Schließmuskeln von Blase und Darm.

Ein starker Beckenboden ist auch wichtig für die Stabilität und Funktion des gesamten Körpers und

  • verbessert nicht nur die Kontrolle über die Blase und den Darm,
  • sondern unterstützt auch die Körperhaltung,
  • steigert die sexuelle Empfindsamkeit und
  • kann Verletzungen im unteren Rückenbereich vorbeugen.
     

Welche Ursachen kann ein schwacher Beckenboden haben?

Der Beckenboden ist aufgrund seiner exponierten Lage und durch das Gewicht der Bauchorgane einer hohen Belastung ausgesetzt. Zusätzlich kann der Beckenboden geschwächt werden durch

  • Geburten,
  • operative Eingriffe,
  • chronische Überlastung oder
  • Übergewicht
  • Nervenbeeinträchtigungen.


Welche Folgen kann eine Beckenbodenschwäche haben?

Ein schwacher Beckenboden kann Blase und Darm beeinträchtigen. Das kann zu Senkungs- und Kontinenz Problemen, also ungewolltem Verlust von Harn und Stuhl, führen.

 

Kann man eine Beckenbodenschwäche behandeln?

Ja.Nach einer sorgfältigen Diagnose stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Betroffene Menschen können wieder aktiv am Leben teilnehmen und ihre Lebensqualität steigern.

 

2. Wie behandeln wir Beckenbodenschwäche?

In unserem Beckenboden Zentrum stehen Ihnen Expert*innen der Abteilungen Chirurgie und Urologie aus unserem Krankenhaus und Expert*innen der Abteilung Gynäkologie aus dem Landeskrankenhaus Lilienfeld zur Verfügung.

Unterstützt werden diese je nach Diagnose und Therapie von Expert*innen der Innerer Medizin, der Radiologie und der Physikalische Medizin. Die Gesundheits- und Krankenpflege als zentrale Säule der Behandlung steht Ihnen mit einer Kontinenz- und Stomaberatung zur Seite. Bei Bedarf werden diese Fachrichtungen direkt über unser Behandlungsteam beigezogen.

Unsere Zusammenarbeit ist seit Jahren sehr eng und hat sich aufgrund der Spezialisierungen beider Häuser sehr gut etabliert.
 

3. Welche Untersuchungen und Therapien bietet unsere Abteilung für Chirurgie bei Stuhlinkontinenz an?
 

  • Zuerst findet ein ausführliches Erstgespräch statt, in dem wir Ihre Krankengeschichte erheben und vorhandene Laborbefunde besprechen. Dann folgt eine körperliche Untersuchung durch Sehen und Tasten.
  • Weiter Behandlungsschritte können eine Spiegelung des Mastdarms (Rektoskopie) sein. Diese ist schmerzlos und dauert nur wenige Minuten. Sie dient der Diagnose von eventuellen Veränderungen im Mastdarm. Auch eine Spiegelung des Analkanals (Proktoskopie) kann zur Diagnose von Einrissen, Fisteln oder Tumoren herangezogen werden. Ebenso kann eine Spiegelung des gesamten Darms (Koloskopie) die weitere Befundung unterstützen.
  • Um die Stärke des Schließmuskels besser beurteilen zu können, führen wir eine Druckmessung des Afterschließmuskels (Sphinktermanometrie) durch. Dies wird meist mit einem analem Ultraschall kombiniert, um eventuell Narben oder Verletzungen des Muskels zu diagnostizieren.
  • Weiters bieten wir spezielle Röntgenuntersuchungen in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Radiologie wie zum Bespiel eine Magnetresonanztherapie (MRT) zur detaillierten Darstellung der Organe. Die Defäkographie ist ein Verfahren zur Darstellung des Enddarms und Beckenbodens während der Stuhlentleerung. Durch ein Kontrastmittel wird der Vorgang in Echtzeit auf einer speziellen Toilette gefilmt, um Funktionsstörungen zu identifizieren. Mittels eines Transitröntgens kann die Transportgeschwindigkeit des Dickdarms bei schwerer Verstopfung gemessen werden.

 

Nach der Diagnose bieten wir bei Stuhlinkontinenz verschiedene Behandlungsmethoden an:

An erster Stelle stehen immer konservative Maßnahmen. Hilfreich können Medikamente, Zäpfchen, Ballaststoffe und Ernährungsempfehlungen eingesetzt werden.

Ein wichtiger Bereich jeglicher Behandlung von Beckenbodenschäche ist die Physiotherapie, also Beckenbodentraining, eventuell unterstützt durch BiofeedbackTherapie. Unsere Spezialistinnen beraten sie gerne, die Therapie wird dann im niedergelassenen Bereich gemacht.

An operativen Eingriffen werden vor allem 2 Operationen durchgeführt (je nach Befunden) 

  • Bei der Schließmuskel-Rekonstruktion (Sphinkter Repair) wird der beschädigte Schließmuskel (Analsphinkter) wiederhergestellt und überlappend vernäht. Ziel der Operation ist es, die Fähigkeit Darminhalt kontrolliert zurückzuhalten (Kontinenz) wiederherzustellen.
  • Die Sakrale Neuromodulation (SNM) wird auch als Blasenschrittmacher oder Darmschrittmacher bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Form der Neuromodulation. Ein kleiner Impulsgeber – ähnlich einem Herzschrittmacher – wird unter die Haut implantiert, um die Beckenbodenmuskulatur und die Blasen-/Darmfunktion durch sanfte elektrische Impulse zu regulieren.

4. Welche Untersuchungen bietet unsere Abteilung für Urologie bei Harninkontinenz an?

  • Die Urodynamik umfasst verschiedene Tests zur Beurteilung der Funktion von Blase und Harnröhre. Dazu zählen zum Beispiel eine Harnflussmessung (Uroflowmetrie), eine Blasendruckmessung (Zystometrie) sowie ein Harnröhrendruckprofil (Urethradruckprofil). Anhand dieser Tests kann gemessen und beurteilt werden, inwieweit die Blasenmuskulatur, die Speicherfähigkeit der Blase und der Harnröhrenverschluss intakt sind.
  • Die Harnröhre und die Harnblase können mittels einem Röntgen untersucht werden (Miktionszystourethrographie). Unter Einsatz von Kontrastmittel werden die Form, Funktion und Entleerung dargestellt. Durch diese Untersuchung kann der Rückfluss von Urin in die Harnleiter oder Verengungen nachgewiesen werden. 

5. Welche Therapien bietet unsere Urologie an?

Wir bieten sowohl für Männer als auch für Frauen operative Behandlungen bei Inkontinenz an:

  • Bei Frauen kann ein so genanntes TVT-Band zum Einsatz kommen. Das ist ein kleines Kunststoffnetz aus Polypropylen, das in einem minimal-invasiven Eingriff unter die Harnröhre gelegt wird, um weibliche Belastungsinkontinenz zu behandeln. Es stützt die Harnröhre wie eine Hängematte und verhindert, dass bei Bauchdruck durch Husten, Niesen oder Lachen Urin unkontrolliert entweicht. 
  • Zur Behandlung von schwerer männlicher Harninkontinenz, insbesondere nach Prostata-Operationen, kann die Implantation eineskünstlichen Schließmuskels weiterhelfen. Wir bieten sowohl ein passives Kompressionssystem (ATOMS) als auch ein manuell gesteuertes System (artifizielle Sphinkter) an. ATOMS ist ein hydraulisches System, das als "künstlicher Schließmuskel" fungiert. Das Kissen wird am Dammbereich unter der Harnröhre platziert. Die Implantation erfolgt minimal-invasiv unter Vollnarkose oder Rückenmarksbetäubung. Der artifizielle Sphinkter besteht aus einer Manschette um die Harnröhre, einer Pumpe im Hodensack und einem Reservoir. Das System hält die Harnröhre zu, bis der Patient sie manuell zur Entleerung öffnet.
  • Operativ kann auch eine Harnableitung angelegt werden. Diese dient dazu, den Urinabfluss sicherzustellen, wenn die Harnblase entfernt (Zystektomie) oder ihre Funktion zum Beispiel durch Blasenkrebs oder neurologische Erkrankungen stark eingeschränkt ist. Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Formen: 
    • Inkontinente Ableitung: Darunter versteht man einen dauerhaften Urinabfluss über ein Stoma. Das heißt, dass der Urin über einen Beutel am Bauch abläuft.
    • Kontinente Ableitung: Hier wird der Urin im Körper gespeichert und es kommt zu einer kontrollierten Urinentleerung mittels Katheder oder Harnröhre.
  • Eine Botox-Blasenunterspritzung kann sowohl bei Frauen als auch bei Männern angewendet werden. Durch die Behandlung können überaktive Muskeln entspannt werden. Die Wirkung hält rund sechs Monate, die Behandlung erfolgt ambulant.

6. Welche Untersuchungen für Frauen bietet die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe an?

In Zusammenarbeit mit dem Landeskrankenhaus Lilienfeld können wir Ihnen vor Ort im Krankenhaus folgendes Leistungsspektrum anbieten:

  • Urogynäkologische Ambulanzsprechstunden
    •  POP-Q Staging (internationale Diagnostik der Senkung des weiblichen Genitales)
    • Pelvic floor sonography bzw. Beckenbodensonographie (inklusive 3D Aufnahmen)
    • Analsonographie (3D Aufnahmen)
    • Sphinktermanometrie (Druckmessung des Schließmuskels)
  • Urodynamische Messungen (Blasendruckmessung, Harnflussmessung)
  • Zystoskopie (Blasenspiegelung) in Kooperation mit der Urologie
  • Akupunktur bei therapieresistentem Blasendrang und Schmerzsyndromen
  • Senkungsoperationen (Schwerpunkt vaginale Chirurgie)
  • Inkontinenzoperationen

 

7. Wie unterstützt Sie das Team der Physikalischen Medizin?

Sowohl in Wien als auch in Lilienfeld erhalten Sie physikalische Betreuung.

Wenn Sie stationär in unserem Krankenhaus in Wien aufgenommen sind, stehen Ihnen die Expert*innen der Physikalischen Medizin gerne mit Beratung und Therapie zur Seite.

Ambulante Termine bieten wir aktuell im Krankenhaus nicht an. Wir empfehlen aber gerne folgende freiberufliche Therapeut*innen, die Ihnen für weitere Unterstützung vor bzw. nach dem stationären Aufenthalt gerne zur Verfügung stehen.

8. Wie unterstützt Sie unsere Kontinenz- und Stomaberatung?

Eine Kontinenz- und Stomaberatung ist eine spezialisierte pflegerische Dienstleistung für Menschen mit künstlichem Darm- oder Blasenausgang (Stoma) oder Blasen-/Stuhlinkontinenz. Auch diese Ansprechperson gibt es an beiden Standorten.

Unsere Pflegeexpertin unterstützt Sie und auch Ihre Angehörigen, um Ihre Lebensqualität zu steigern und Ihnen eine Rückkehr in den Alltag zu ermöglichen:

  • Ein Blasentagebuch oder Miktionsprotokoll ist eine strukturierte Dokumentation über zwei bis sieben Tage, in der Trinkmengen, Toilettengänge und Symptome wie Harndrang oder unkontrollierter Urinverlust erfasst werden. Es ist ein wichtiges diagnostisches Instrument und kontrolliert den Behandlungserfolg.
  • Eine Restharnbestimmung (Retentionstest) ist ein diagnostisches Verfahren, um festzustellen, wie viel Urin nach dem Toilettengang in der Blase zurückbleibt. Er dient dazu, eine chronische Harnretention (Überlaufinkontinenz) von anderen Inkontinenzformen zu unterscheiden.
  • Ein Blasen- oder Miktionstraining ist eine strukturierte Verhaltenstherapie, die darauf abzielt, die Harnblase zu trainieren, mehr Urin aufzunehmen und den Harndrang besser zu kontrollieren. So sollen die Zeitabstände zwischen den Toilettengängen schrittweise verlängert und die Lebensqualität verbessert werden. 
  • Beratung bei Funktionsstörungen bei der Ausscheidung von Stuhl und Urin
  • Unterstützung bei intermittierender Selbstkatheterismus (ISK), einer Methode, bei der die Harnblase vier bis sechs Mal täglich eigenständig mittels eines sterilen Einmalkatheters über die Harnröhre entleert wird. Sie dient der Behandlung von Blasenentleerungsstörungen, schützt Nieren und Blase, reduziert Infektionen im Vergleich zu Dauerkathetern und ermöglicht mehr Mobilität und Lebensqualität.
  • Beratung zu Stoma-Produkten und Versorgung

Beratung zu Kostenübernahme der Krankenkassen

Zertifiziertes Zentrum

Das Beckenboden Zentrum wurde erstmals 2017 von der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs (MKÖ) offiziell zertifiziert und wird alle drei Jahre rezertifiziert, so zuletzt 2026.

 
 

Medizinische Leitung

1. OÄ Dr.in Ingrid Haunold

Leitende Oberärztin

FÄ für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie
ACP Diplom, ÖÄK Diplom: Fortbildung, Ernährungsmedizin, Akupunktur



Terminvereinbarung zum Erstgespräch

Montag bis Freitag von 9.00 bis 14.00 Uhr
unter +43 1 59988-3240


Ansprechpersonen der Abteilungen

Chirurgie

  • 1. Oberärztin Dr.in Ingrid Haunold, Leitende Oberärztin, Fachärztin für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie, Proktologin, ÖÄK Diplom für Fortbildung, Ernährungsmedizin
  • Oberärztin Dr. Stieböck, Fachärztin für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie
  • Dr. Urszula Prunner, Fachärztin für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie

 

Urologie

  • Primar Dr. Wilhelm Bauer F.E.B.U.,Vorstand der Abteilung undFacharzt für Urologie
  • Oberarzt Dr. Reinhard Kastenberger F.E.B.U., Facharzt für Urologie


Gynäkologie

  • Primaria Dr. Ingrid Geiss MAS, Ärztliche Standortleiterin und Abteilungsleiterin Gynäkologie und Geburtshilfe im Landesklinikum Lilienfeld
  • Oberärztin Dr.in Daniela Sartor, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe im Landesklinikum Lilienfeld

 

Ihr Weg in unser Zentrum

Um Sie behandeln zu können, benötigen Sie bitte:

  • die Überweisung einer*s Ärztin* Arztes*
  • eine e-Card
  • einen amtlichen Lichtbildausweis und
  • einen Termin in der Ambulanz.

Vereinbaren Sie hier online und rund um die Uhr einen Termin!