Für Journalistinnen und Journalisten

Als Fachklinik für den gesamten Verdauungstrakt, Urologie, Onkologie und Psychosomatik bietet das Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien seinen Patient*innen inderdisziplinäre Expertise von der ersten Diagnose über die Behandlung bis zur Nachsorge.

Diese Expertise stellen wir sehr gerne auch Pressevertretern zur Verfügung. Wir freuen uns über Ihr Interesse und Ihre Kontaktaufnahme an kommunikation.wien@bhs.at.

 

Unsere Presseaussendungen

Quo vadis, Darmkrebs-Vorsorge?

In einer Pressekonferenz informieren wir über das Thema Darmkrebs.

v.l.n.r.: Andreas Huss, Karin Hönig-Robier, Helga Thurnher, Frau Gerda, Alexander Klaus, Heinz Ludwig

Im Jahr 2005 wurde die Vorsorgekoloskopie für Menschen ab 50 Jahren fix im österreichischen Gesundheitssystem verankert. Mittlerweile nehmen bundesweit durchschnittlich rund 17-18% der Generation 50plus die kostenfreie und letztlich überlebenswichtige Untersuchung in Anspruch. Die Zahl der Neuerkrankungen konnte in der Zeit von 5.000 auf ca. 4.400 pro Jahr gesenkt werden, die Todesfälle gingen von 3.500 auf 2.400 zurück. „Das Ergebnis unserer jahrelangen, kontinuierlichen Aufklärungsarbeit hat das Bewusstsein gefördert, dass man diese schwere Krankheit leicht früherkennen oder überhaupt verhindern kann. Aber es gibt noch viel Luft nach oben, um die Bevölkerung verstärkt zur Darmvorsorge zu motivieren“, erklärt Helga Thurnher, Obfrau der Selbsthilfe Darmkrebs Österreich, die heuer ihr 20-jähriges Jubiläum begeht.

Waren bis dato zahlreiche Veranstaltungen und Medienberichte und bestenfalls eine Empfehlung des Hausarztes Anlass zum Darmcheck, soll die Vorsorgebereitschaft der Bevölkerung künftig durch ein organisiertes Screening gefördert werden. „Die positiven Ergebnisse im Burgenland und Vorarlberg beweisen, dass es möglich ist, Neuerkrankungen und Todesfälle durch die Einladung zur Darmvorsorge signifikant zu senken“, berichtet Andreas Huss MBA, Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse.

 

Jüngere trifft Darmkrebs schwerer

Künftig soll - ähnlich wie beim Brust-Screening – als Pilotversuch auch in Wien, Tirol und Steiermark schriftlich zur Vorsorge-Untersuchung geladen werden. Andreas Huss: „Da Darmkrebs immer häufiger auch Jüngere betrifft und diese schwerer zu therapieren sind, wird sich die Einladung zum Screening an alle Versicherten ab 45 Jahren richten.“ In punkto Testmethode kann man zwischen einem immunologischen Stuhltest („FIT-Test“) im 2-Jahres-Rhythmus und einer Vorsorge-Koloskopie (Darmspiegelung) alle 10 Jahre wählen. Ist das Ergebnis des Stuhltests positiv, muss man sich binnen weniger Wochen einer Darmspiegelung unterziehen, um die Ursache des Blutes im Stuhl eruieren zu lassen.

 

Immunologischer Stuhltest versus Darmspiegelung

Die Treffsicherheit der beiden Testmethoden ist nicht ganz vergleichbar: „Der immunologische Stuhltest reagiert gezielt auf menschliches Blut im Verdauungstrakt, nicht aber auf unblutige Polypen und Adenome, die eben auch bösartig werden können. Somit liegt die Wahrscheinlichkeit, dass damit ein Dickdarmkarzinom bzw. eine Vorstufe eines Darmkrebses erkannt werden kann bei 70-80%. Goldstandard ist nach wie vor die Darmspiegelung weil damit nicht blutende Adenome bzw. Polypen erkannt werden können. Im Zuge einer Darmspiegelung kann man diese gleich entfernen und damit das Krebsrisiko bannen. Dies wird auch durch große internationale Meta-analysen untermauert berichtet Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig, FA für Innere Medizin/Hämatologie und intern. Onkologie und Mitbegründer der Selbsthilfe Darmkrebs Österreich. „Will man größtmögliche Sicherheit haben so sollte man sich für eine Darmspiegelung entscheiden“

 

Bluttest als Zukunftsperspektive

Erstaunlich hohe Detektionsraten für Vorstufen von Darmtumoren bei wenig Aufwand für den Patienten erbringen mittlerweile eine Kombination eines FIT Test mit einer DNA Analyse des Stuhls (ColoAlert Test), beziehungsweise eine einfache Blutabnahme. Prof. Heinz Ludwig: „Erst kürzlich hat die US-Arzneimittelbehörde FDA einen Bluttest als neue Früherkennungsmaßnahme zugelassen: mit dem Test wird zellfreie Tumor-DNA im Blut aufspürt. Allerdings liegt derzeit die Diagnosesicherheit mit der letztgenannten Methode noch unter jener der Vorsorge-Koloskopie, aber die Forschung geht hier rasant weiter.“

 

Koloskopie: Vorbereitung und ärztliche Erfahrung zählen

Die Koloskopie gilt derzeit also weiterhin als Goldstandard in punkto Diagnosegenauigkeit. 80 bis 90 Prozent der bösartigen Tumore entstehen nicht plötzlich, sondern aus Schleimhautgeschwülsten, sogenannten Polypen. „Wir appellieren daher ab dem 50. Lebensjahr und danach in regelmäßigen Abständen zur Vorsorgekoloskopie zu gehen“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Mag. Dr. Alexander Klaus FACS, Facharzt für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie und Ärztlicher Direktor des Barmherzige Schwestern Krankenhauses Wien, das seit Jahren ein zertifiziertes Darmkrebszentrum anbietet, bei dem auch die Nachbetreuung einen hohen Stellenwert einnimmt. Prim. Dr. Klaus: „Personalisierte Medizin und verfeinerte, roboterassistierte OP-Techniken haben in den letzten Jahren nicht nur die Überlebenschancen gesteigert, sondern auch die Lebensqualität betroffener Krebspatienten deutlich verbessern können.“

In einem sind sich alle Experten einig: Es wird mittelfristig nicht gelingen, den Darmkrebs Schachmatt zu setzen. Aber das geplante Darmkrebsscreening mit dem niedrigschwelligen „Einstiegsangebot“ des Stuhltests soll und wird auch eine ganze Reihe von Menschen zur Teilnahme motivieren, die eine Vorsorge bisher gescheut haben.

 

Wo gescreent wird, sinkt die Sterblichkeit

Und das wird viele Leben retten: In Deutschland, wo das Darmkrebs-Screening schon seit Jahren etabliert ist, sank die Sterblichkeit durch Früherkennung bösartiger Tumore bei Männern um mehr als ein Drittel und bei Frauen um die Hälfte(!). Stark verminderte Zahlen an Neuerkrankungen verzeichnen auch die beiden Screening-Pioniere Burgenland und Vorarlberg. „Wir hoffen, dass sich das neue Darmkrebs-Screening ab 45 in Wien, Tirol und Steiermark ähnlich positiv auswirken und durch die Früherkennung viele Leben retten wird“, sagt Helga Thurnher, die mit ihrer Selbsthilfe-Organisation weiterhin für mehr Vorsorgebewusstsein kämpfen wird – im Sinne potenziell Betroffener und deren Angehörigen.

 

Das Video der Pressekonferenz können Sie hier auf YouTube​ ansehen.

 

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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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