Wien / Februar 2025: „Warum Vorsorge? Ich ernähr‘ mich gesund und in der Familie hatte auch keiner Darmkrebs“. Häufig hört Helga Thurnher, Gründerin und langjährige Obfrau der Selbsthilfe Darmkrebs, diesen Satz bei ihren zahlreichen Vorträgen und Gesprächsrunden.
„Hier ist immer noch sehr viel Aufklärungsarbeit gefragt“, betont sie. Ein gesunder Lebensstil mit vitaminreicher Ernährung, wenig rotem Fleisch und Alkohol, dafür viel Bewegung ist erstrebenswert und kann allgemein das Erkrankungsrisiko etwas senken. Einen sicheren Schutz vor Darmkrebs bietet dies jedoch leider nicht. Helga Thurnher: „Auch das Fehlen von Krebserkrankungen in der Familie ist leider kein Garant, dass es einen selbst nicht trifft.“
„Keine Symptome“ sagt wenig aus
Manchmal höre ich auch „Ich habe keine Probleme mit dem Darm, warum soll ich mir eine Vorsorgekoloskopie antun?“, berichtet Helga Thurnher. Ein gefährlicher Irrtum!
„Das Lebenszeitrisiko, an Darmkrebs zu erkranken liegt in Österreich bei etwa 5-6% (also eine von 18 bis 20 Personen erhält im Laufe ihres Lebens diese Diagnose erhalten). 9 von 10 Darmkrebserkrankungen entstehen ohne familiäre Vorbelastung. Wird bereits entstandener Darmkrebs früh erkannt, liegt die Heilungsrate bei über 90%.“ gibt Dr. Dariya Kalcheva, Darmspezialistin in der kassenärztlichen Praxis Medico Chirurgicum in Wien zu bedenken.
Gerade Darmkrebs lässt sich – als übrigens einzige Krebsart – leicht verhindern. In über 90% der Fälle entwickelt er sich aus anfangs harmlosen Polypen, die aber allmählich bösartig werden können, heraus. Entdeckt und entfernt man diese im Zuge der Koloskopie, hat man dem möglicherweise späteren Krebsgeschwür zeitgerecht die Grundlage entzogen. Selten sind die kleinen Gewächse übrigens nicht: „Bei der Vorsorgekoloskopie finden wir bei über 50-Jährigen immerhin bei mehr als jedem Dritten einen oder mehrere Dickdarmpolypen, die wir dann gleich entfernen“, berichtet Primar Univ.-Prof. Dr. Alexander Klaus FACS, Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie und ärztlicher Direktor des Barmherzige Schwestern Krankenhauses Wien, das seit Jahren ein zertifiziertes Darmkrebs Zentrum anbietet.
Ungemütlich, aber es lohnt sich!
Unbequeme Vorbereitung? Für dieses Argument hat Helga Thurnher durchaus Verständnis, gibt aber zu bedenken: Was ist schon der Aufwand eines einzigen, etwas ungemütlichen Tages mit Diät und Abführmittel gegen das wochen- oder jahrelange Leid einer Krebstherapie? Ganz zu schweigen von den damit verbundenen gesundheitlichen und oft auch finanziellen Folgen für alle Angehörigen!“
Aufs Qualitätszertifikat achten!
Weit verbreitet ist auch immer noch die Angst, bei der Untersuchung an der Darmwand verletzt zu werden, wie Helga Thurnher von ihren Gesprächen mit Betroffenen weiß. Laut Statistik der Österreichischen Sozialversicherung tritt diese Komplikation bei gesunden Menschen im Verhältnis 1:10.000, also sehr selten, zu. Am besten, man wendet man sich an eine der über 250 Stellen in Österreich, die mit dem Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge ausgezeichnet ist, so ihre Empfehlung. Dazu zählen zahlreiche Spitalsambulanzen und auch viele niedergelassene Internisten und Chirurgen.
Mehr Sicherheit und Komfort für Patienten
Denn wie überall hängt die Qualität des untersuchenden Facharztes und des gesamten Teams sehr eng mit dem erworbenen Erfahrungsschatz zusammen. Zertifizierte Spitalsambulanzen und Ordinationen haben daher für die Verlängerung ihres Qualitätszertifikats einen jährlichen Leistungsnachweis von mindestens 100 Koloskopien zu erbringen. Sie sind u.a. zu folgenden Leistungen und der Einhaltung von Qualitätskriterien verpflichtet: Ein ausführliches Beratungs- und Aufklärungsgespräch muss mindestens 24 Stunden vor der Untersuchung stattfinden und dem Patienten im Rahmen dessen auch eine Sedierung zur schmerzfreien Durchführung der Darmspiegelung angeboten werden. Bei mindestens 9 von 10 Untersuchungen muss die Spiegelung den kompletten Dickdarm bis zur Einmündung des Blinddarms umfassen. Der Patient muss nach dem Eingriff in einem Aufwachraum bis zu einem bestimmten Wachheitsgrad kontrolliert werden, bevor er den Heimweg antreten kann. Weiters sind bestimmte Qualitätskriterien in punkto Personalschulung, Polypenabtragung sowie sehr strenge Vorschriften für Hygiene- und Gerätedesinfektion einzuhalten.
Weitere Informationen zum Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge sowie zu allen zertifizierten Stellen in Österreich: https://zertifikat.oeggh.at www.sozialversicherung.at
Nähere Infos: www.selbsthilfe-darmkrebs.at
Univ.-Prof. Dr. Alexander Klaus FACS (© Robert Harson)



